Stuttgart02

An was glaube ich?

Viele soziologische Studien berichten von der zunehmenden Religiosität der Menschen in Deutschland. Diese statistischen Ergebnisse kann ich auch aus den Erfahrungen meiner Jugendarbeit bestätigen. Viele Menschen glauben inzwischen an vieles, was sie nicht sehen und anfassen können. Die Abkehr vom rein rationalen und technischen Denken ist deutlich spürbar. Die Spannbreite reicht dabei von den „Wundern“ eines Uri Geller, oder die von Wunderheilern und Wahrsagern, über Wünschelrutengängern und jeder Form von Telepathie, bis hin zu verschiedenen Geistern und dem dreifaltigen Gott mit seinen Engeln und dem Teufel. Wer hätte dies vor wenigen Jahren noch gedacht? Das Streben der Gesellschaft richtet sich heute doch auch weitgehend nach der Vernunft und Materiellem.
Wenn man die Megatrends betrachtet, die großen soziologischen Richtungen der Gesellschaft, dann kommt Übersinnliches zwischen Globalisierung, Materialismus, Ästhetisierung und Individualisierung eigentlich nicht vor. Doch eben diese großen Richtungen provozieren bei Menschen Sehnsüchte, die in die so genannten „Soziokulturellen Trends“ gefasst werden. Da gibt es z.B. den Wunsch einer festen Gruppe anzugehören, sich in sein Heim zurück zu ziehen oder auch Menschen außerhalb der Arbeitswelt und des Internet zu begegnen. All diese Bedürfnisse deuten auf eine Offenheit hin, die den Glauben an eine höhere Macht oder an Kräfte, die mit den gängigen naturwissenschaftlichen Methoden nicht nachzuweisen sind, fördern.
Gemäß diesen Megatrends lautet eine Formel unserer heutigen Gesellschaft „nicht festlegen“  (Teil der Individualisierung). Bezogen auf alles Übersinnliche heißt das: ich glaube ein bisschen an dieses, und ich glaube ein bisschen an jenes, und das andere will ich auch nicht ausschließen. Das Angebot ist dabei sehr groß und es lässt sich weder die Existenz des Einen beweisen noch die des Anderen dementieren. Engel sind wieder voll im Trend. Jemandem einen kleinen Engel schenken heißt, ihm Glück, Vertrauen, Geborgenheit und Stärke schenken. Dabei macht sich aber kaum jemand Gedanken, woher das Glück, die Geborgenheit oder die Kraft eigentlich kommen mag. Die meisten Menschen in Deutschland glauben einfach an eine höhere Macht; eine Kraft, die hilft oder die man beklagen kann, wenn man in Not geraten ist. Was ist das aber für eine Macht? Eine Macht, durch die Wunderheilungen passieren? Eine Macht, durch die sich Löffel verbiegen lassen? Jedenfalls eine Macht, die entweder da ist oder eben nicht, bei der man sich aber nicht bedanken muss oder sich sogar verpflichtet weiß.
Der Glaube an eine solche Kraft scheint zwar im ersten Augenblick praktisch und bequem. Er ist unverbindlich und fordert nicht. In der Bibel im Psalm 135 beschreibt der Psalmist die Götter der Heiden, als diejenigen, `die einen Mund haben, aber nichts sagen, die Augen haben, aber nichts sehen und Ohren haben, aber nichts hören`. Dagegen spricht er von dem einen Gott als dem, ´der alles vollbringt, was ihm gefällt, im Himmel, auf der Erde, in den Meeren, in allen Tiefen´
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Der christliche Gott, von dem die Rede ist unterscheidet sich von allen übersinnlichen Kräften dadurch, dass er den Menschen erschaffen hat, um mit ihm eine lebendige Beziehung zu leben. In ihm enthalten ist alles, was sich zwischen Himmel und Erde tut; `die sichtbare und die unsichtbare Welt`, wie es im Glaubensbekenntnis der Christen heißt. Dieser Gott versteht sich nicht als „Feuerlöscher“, der abseits steht, um für irgendwelche Späße oder am besten gar nicht gebraucht zu werden, sondern er ist mitten in unserem Tun. Wenn wir unser Leben anschauen, und spätestens wenn wir unser Sterben anschauen, sind wir zur Entscheidung gerufen: an was glaube ich? Unverbindlich, und dem Schicksal unterworfen oder verbindlich in der Gemeinschaft der Glaubenden und in Berührung mit dem lebendigen Gott.

P. Elmar J. Koch

 

 

 

 

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