Stuttgart02

Härteres Strafrecht für jugendliche Straftäter

so war und ist in diesen Wochen immer wieder die Rede. Ausgangspunkt war die schreckliche Tat zweier junger Männer, als sie sich vor Weihnachten in der Münchner U-Bahn einen 76 – jährigen Rentner zusammenschlugen. Diese Tat verursachte in vielen Bereichen und auf vie-len Ebenen eine rege Diskussion. Sofortige Konsequenzen wurden gefordert: die Strafgesetz-gebung ist zu verändern, gegen jugendliche Straftäter ist härter vorzugehen. Es ist die Rede davon, dass für betroffene Jugendliche Erziehungslager nicht schlecht seien. Erfolgverspre-chend ist wohl die Erfahrung mit einem Boxcamp in einem hessischen Ort.
Politiker fragen, inwiefern Bildung und Erziehung noch mehr dazu beitragen können, dass junge Menschen gut in die Gesellschaft hineinwachsen können, sich dort zu Hause fühlen, ihren Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft leisten oder unter den Mitmenschen eine ge-meinsame Verstehensebene vorfinden, die solche Taten verhindern.
Es wird wiederum gefragt, wer denn Schuld an diesem Tathergang oder überhaupt an der Gewalt von Menschen hat. Das Elternhaus, die Schule, die Gesellschaft, der Medienkonsum.
Die Diskussionen darum, wie wir als Gesellschaft dazu beitragen können, dass junge Menschen einen guten Weg in die Gesellschaft finden ist schon sehr alt und wird sicherlich noch sehr lange dauern. Da mag vielleicht ein Blick auf Don Bosco nicht schlecht sein, dessen sogenanntes Präventivsystem in die Geschichte der Pädagogik einging und bei Pädagogen und Erziehern viel Zuspruch fand.

Folgende Geschichte kann die Art Don Boscos mit Jugendlichen umzugehen deutlich machen:
Johannes Bosco wurde eines Tages von einem jungen Bandenführer, der wegen Überfällen und Schlägereien bekannt war, nach langem Überlegen aufgesucht, weil er wegen eines ver-letzten Freundes nicht mehr weiter wusste. Er erhoffte sich einen Ratschlag, aber Don Bosco nahm einfach eine Haselnuss, gab sie dem Bandenführer und sagte: „die leihe ich dir!“  Michael Magone fragte ihn, was er nun damit solle. Don Bosco sagte zu ihm: „Die Haselnuss soll dich an etwas erinnern: Außen ist die Haselnuss hart, aber innen ist sie weich, ölig, hat einen guten Geschmack. Auch wenn die Schale zerkratzt oder gesprungen ist, der Kern ist sehr gut.“ Auf seine Nachfrage hin, was er denn nun mit dieser jämmerlichen Nuss tun soll, sagte Don Bosco: „Sie soll dich an dich und deine Freunde erinnern.“  
Als sich kurze Zeit später der Bandenführer mit seinen Freunden auf eine andere Bande traf und sich wegen alter Rivalitäten die Situation zuspitzte, überlegte Michael Magone ein wenig, zog dann die Nuss aus seiner Hosentasche, ging auf die andere Bande zu und sagte zu seinen Gegnern, er kenne da jemanden, der ihnen helfen will. Die Reaktion der anderen Bande war großes Unverständnis. Wer solle ihnen denn helfen wollen, ihnen, die sie doch jede Menge Unfrieden gestiftet hatten. Magone erntete nur Gelächter. Er aber sagte zu ihnen: „Da gibt es jemanden der uns helfen will, der uns etwas zutraut und der behauptet, dass in jedem von uns etwas steckt, das wir können. Wir brauchen uns nicht zu verstecken und zu kämpfen. Es ist wie bei der Nuss, außen ist die Schale hart und innen ist ein guter Kern. In uns steckt viel mehr, wir sind gut.“

Wir müssen nicht alle anfangen Nüsse zu verteilen, aber ein Austausch untereinander über phantasievolle und vor allem gelungene Modelle der Problembewältigung, der Begegnung, der Erziehung könnte für unsere Gesellschaft heute sehr hilfreich sein. Sich mit schwierigen Jugendlichen auseinandersetzen, auf sie eingehen und sie beschäftigen ist billiger und bringt mehr Erfolg als jedes Einsperren in einem Gefängnis.
„Wenn ihr liebt, was die Jugendlichen lieben, dann lieben die Jugendlichen, was ihr liebt,“ so Don Bosco.

P. Heinz Menz SDB

 

 

 

 

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