Stuttgart02

„Ich denk an Dich !“

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Es geschieht nicht selten, dass Menschen mir von ihren Ängsten erzählen. Ihrer Angst vor der bevorstehenden schweren Operation, die die Ärzte für notwendig erachten; ihrer Angst vor der Prüfung, die gemeistert werden muss; ihrer Angst vor der Entscheidung, die nicht mehr länger hinauszuschieben ist; ihrer Angst vor der Begegnung mit Menschen, deren Absicht man nicht kennt; ihrer Angst vor der Zukunft, die undurchsichtig und schwierig wird. Mir und meinem Gegenüber ist meist klar, dass auch ich als Pfarrer kein Patentrezept habe diese Angst verschwinden zu lassen. Aber, und das kann ich mit Sicherheit sagen: dem Gegenüber tut meine Zusage gut: „Du, ich denk an Dich!“ Das hilft ihm ein klein wenig die Angst zu ertragen und hoffnungsvoller seinen Weg weiterzugehen. Darum habe ich mir angewöhnt, diesen Satz immer öfter Menschen zuzusprechen.
Ich denk an Dich! Das will sagen: ich bete für dich in deiner Not, ich lege bei Gott ein Wort für dich ein, dass er dir beistehe und dich segne. Du bist nicht allein mit deiner Aufgabe, ich und Gott sind bei dir.
Manchmal war ich schon erschrocken. Habe ich dieses Versprechen wirklich ernst genom-men, oder ist es mehr und mehr zu einer Redewendung geworden, die beschwichtigt, tröstet, Zeit gewinnen lässt?
Darum habe ich mir einen kleinen Notizblock zugelegt, in den ich die Namen der Leute schreibe, für die ich in besonderer Weise beten möchte.
Und konkret? Der kleine Notizblock liegt immer griffbereit auf meinem Schreibtisch.
Jeden Tag, wenn ich mich an den Arbeitsplatz setze, wenn ich ihn zwischendurch aufräume, bevor ich ihn verlasse, ich nehme den Block zur Hand und blättere darin. Es hat sich auch bewährt, ihn in die Hosentasche zu stecken und dann beim stillen Gebet in der Kirche wieder aufzuschlagen und mit Gott über die Menschen zu sprechen, die mir in besonderer Weise anvertraut sind. Das ist dann ziemlich konkret und ich staune oft, was ich alles zu sagen habe.
Natürlich weiß ich auch, dass Gott alles längst weiß und ich ihm die Sorgen der Anderen nicht erst sagen muss. Aber, und das ist meine Erfahrung, ich kann in einem solchen Gespräch die Angst und die Sorgen anderer auch wirklich abgeben, loslassen, sie Gott selbst überlassen. Das ist ein höchst aktiver Vorgang, und schon oft bin ich aus solchen Situationen wieder anders an meine Arbeit gegangen.
Ich denk an Dich! Nein, es ist keine Floskel, einfach nur so dahergesagt. Es ist, wie wenn ich für jemand in der Kirche eine Kerze entzünde. Es ist, wie wenn ich jemand einen Liebesbrief schreibe. Es ist, wie wenn ich mit jemand Treue schenke.
Ich denk an Dich! Ich würde mich freuen, wenn das auch für Sie ein wichtiges Wort werden würde.

P. Ernst Kusterer SDB

 

 

 

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