Stuttgart02

Klein aber fein!

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Geschichten gehören zu unserem Leben. Ob wir sie selbst erlebt haben oder von anderen erzählt bekamen, sie können uns wichtig werden. Geschichten wollen Lebenswahrheiten wiederspiegeln, wollen uns aufheitern, Mut machen, eventuell uns auf eine wichtige Erfahrung aufmerksam machen, vielleicht uns auch in eine märchenhafte Traumwelt entführen, oder uns schlicht und einfach nur unterhalten.
Ein Bekannter erzählte mir eine kleine Geschichte einer Schweizer Schriftstellerin, die mir persönlich inzwischen so wichtig ist, dass ich sie Ihnen heute - etwas frei - nacherzählen möchte.
Die Autorin der Geschichte erinnert sich an ihre Schulzeit: Eigentlich habe ich nur von einem Lehrer etwas gelernt, etwas, das mir heute noch täglich hilft. Er hat nämlich gleich am ersten Schultag gefragt, was wir am besten könnten. Und das hat der Lehrer in sein Notenbüchlein eingetragen. Und immer, wenn wir in einer Prüfung oder einem Test versagt haben, hat er uns nachher aufgerufen und gesagt. „So, nun darfst du den anderen zeigen, was du viel besser kannst als sie.“ Ich durfte dann jeweils - so erinnert sich die Erzählerin – eine kleine Geschichte vortragen. Ein Mitschüler ging jedesmal an die Tafel und zeichnete mit der Kreide eine Ziege.
Ein anderer, der Thomas, der hat fast jeden Morgen einen Handstand gemacht. Wir mussten aufstehen in unserer Bank, so wie wenn der Schulrat zu Besuch kommt. Der Lehrer sagte, das gehöre dazu, nämlich einander die Ehre zu bezeugen für das, was man könne.
Als wir uns alle zur Aufnahmeprüfung für das Gymnasium anmelden wollten, sagte der Lehrer: „Schau her, Thomas, wir zwei sind wohl besser dran, wenn wir hier bleiben..“ Und er hat dem Thomas geholfen, seine Handstandnummer auszubauen. Er hielt ihn an den Füßen, und der Thomas ist zum ersten Mal vor uns allen durch das Klassenzimmer gelaufen – auf seinen Händen! Er hatte einen roten Kopf, aus lauter Mühe, das Lachen zurückzuhalten. Wir wollten es kaum glauben, dass dem Thomas so etwas gelingen konnte.
Soweit die kleine Geschichte, direkt aus dem Leben gegriffen. Einerlei, ob Sie die Geschichte heute am Montag als spassig, märchenhaft, phantastisch oder nachdenkenswert erachten, ich bin überzeugt, in der vor Ihnen liegenden Woche werden Sie wieder alle Hände voll mit Ihrer Alltagsarbeit zu tun haben. Könnten Sie zwischendurch einmal eine Hand frei machen, um auch jemanden ein wenig an den Füßen zu halten?! Ich sage Ihnen dafür herzlichen Dank.

P. Ernst Kusterer SDB

 

 

 

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