Stuttgart02

Meine „Religionskarte“

Ich weiß nicht wer es war, aber irgendeiner soll auf die Idee gekommen sein, neben der Telefonkarte, der Scheckkarte, der Krankenkassenkarte, der BahnCard und vielen anderen Mitgliedskarten sollte es auch eine „Religionskarte“ geben. Plastikkarten sind heute üblich, sind praktisch, ersparen viele Befragungen, und sie können auch leicht verstaut werden.
Alle wichtigen Daten z.B. über Taufe, Erstkommunion oder Firmung wären schnell abrufbar, und bei der Anmeldung zur Trauung in der Kirche bräuchte der Geistliche nur kurz nachfragen: Könnten Sie mir bitte kurz ihre Religionskarte überlassen? Toll, alles wäre in Windeseile erledigt.
Können Sie dieser Idee etwas Positives abringen? Ich tue mich mit diesem Gedanken sehr schwer. Kirche ist für mich viel mehr als ein Verein oder eine Institution, bei der Perfektion bis zum Äußersten getrieben wird. Ich bin froh um diese Gemeinschaft, in der ich Mensch sein kann und Mensch sein darf mit all meinen kleinen Fehlern, Schwächen und Unzulänglichkeiten. Froh um diese Gemeinschaft, wo ich menschlich behandelt werde, und wo es mir gut tut auch mit Mitmenschen in solch einer Weise umzugehen. Wo ich weiß, dass auch der Andere im Gottesdienst an seine Brust klopft und sein „mea culpa“ spricht.
Wir Christen werden doch daran gemessen, ob wir ehrlich und menschlich zueinander sind, oder ob wir uns gegenseitig in Form einer Karte durch einen Automaten ziehen. Atmosphäre brauche ich, um mich wohl zu fühlen, auch in der Kirche, vielleicht gerade dort. Eine Plastikkarte bietet mir das nicht. Eine „Religionskarte“ haben wir noch nicht und werden eine solche hoffentlich auch nie bekommen.
Ich wehre mich gegen die „Religionskarte“. Übrigens: ich suche Mitstreiter. Machen Sie mit?
Jetzt in den Tagen der Fastenzeit könnten Sie vielleicht einmal darüber nachdenken.

P. Ernst Kusterer

 

 

 

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