Stuttgart02

Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten

026

Vor ein paar Wochen durfte ich an den Gartenexerzitien im Kloster Benediktbeuern teilnehmen. Exerzitien sind Tage der Besinnung, die uns helfen wollen, das eigene Leben in den Blick zu nehmen.
Neben den üblichen Anregungen zur Besinnung, des gemeinsamen Gebetes und den Zeiten der Stille, gehört zu diesen Tagen auch die Einladung zwei Stunden unter Anleitung einer Gärtnerin in einem der Gärten des Klosters zu arbeiten.
Der Garten ist ein zentrales Bild biblischer Spiritualität.
Das indogermanisch Wort „chórtos“ bedeutet „eingefriedeter Raum“ - was im Garten wächst und gepflegt wird, ist geschützt vor der Wildnis, vor dem Chaos. Ebenso ist die Seele ein innerer Raum des Menschen, den es zu schützen und zu pflegen gilt. Auf je eigene und doch vergleichbare Weise bergen Garten wie Seele Sinn und Leben in Fülle. Der Garten ist ein Symbol für das Paradies, nicht (nur) für das verlorene, sondern (vor allem) für das verheißene.
Traditionell werden die Aussagen der biblischen Schöpfungsgeschichten am Anfang der Bibel so verstanden und zusammengefasst, dass Gott die Welt zunächst sehr gut erschaffen hat, Adam und Eva durch ihren Ungehorsam jedoch das Wohnrecht im Paradies für sich und alle Menschen verloren und die Menschen seither unter den Folgen zu leiden haben.
Weit weniger wird beachtet, dass Schöpfung in diesen grundlegenden Texten auch als ein an-dauernder Prozess beschrieben wird und verstanden werden kann, an dem die Menschen im Sinne und im Auftrag Gottes mitwirken. Gott ruft die Welt aus Liebe ins Dasein. Sie ent-wickelt sich durch Gottes Zuwendung unaufhörlich weiter mit Stärken und Schwächen bis zur Vollendung. Während lieben und arbeiten – beides Kernaufgaben der Menschen im Sinne der Schöpfungsordnung – in der traditionellen Sicht vor allem als Pflicht, als Prüfung oder gar als Strafe verstanden werden, erscheinen die beiden Tätigkeiten in der neuen Sicht als Gaben und Aufgaben, die dem Vorbild Gottes entsprechend zu Entfaltung kommen.
Welche Schöpfungsspiritualität entspringt daraus, oder anders gefragt:
Welcher Geist, welche Begeisterung bewegt uns in diesem Schöpfungsglauben?
Schon in den Klostergärten der Benediktiner ist die Verantwortung für die Schöpfung und für die Menschen zu entdecken. Jeder Klostergarten und auch der Meditationsgarten bieten Kräuter für die Sinne, Kräuter für die Küche und auch Kräuter, die heilen.
Gärten wollen einladend wirken durch ihre Farbenpracht und ihren Duft. Deswegen sind die Zäune von Bauerngärten sehr niedrig. Sie laden zum Schauen, zum Riechen, zum Unterhalten und auch zum Naschen ein.
Der Meditationsgarten ist nicht eingezäunt. Eine Bank lädt ein zum Verweilen und zum Gehen.
Neugierig geworden?
...dann gehen sie doch mal in den Garten!

P Alfons Blüml SDB

 

 

 

zurück zur Übersicht der Impulse

Salesianer Don Boscos
Salesianer Don Boscos

Die Salesianer Don Boscos in Stuttgart, eine Niederlassung der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos, begleiten, fördern und unterstützen in Absprache und enger Zusammenarbeit mit dem katholischen Jugendreferat / BDKJ-Dekanatsstelle die Jugendseelsorge in den katholischen Gemeinden und Seelsorgeeinheiten der Großstadt Stuttgart. Mehr zur Arbeit der Salesianer Don Boscos in Deutschland erfahren Sie unter: www.donbosco.de

Besuchen Sie uns auf Facebook!

Aktuelle Meldungen unserer Arbeit in Stuttgart und darüber hinaus finden Sie auch auf den Facebook-Seiten von Don Bosco Deutschland - SDB und der Seite des Katholische Jugendreferats Stuttgart. Schauen Sie einfach mal vorbei!

Don Bosco Magazin
Wie Eltern mit der Schuld ihrer Kinder umgehen

Die Ordenszeitschrift wird von den Salesianern Don Boscos zusammen mit den Don Bosco Schwestern in Deutschland herausgegeben. Das Don Bosco Magazin erscheint alle 2 Monate. Es versteht sich als Familienmagazin und engagiert sich für die Anliegen von Kindern, Jugendlichen und Familien.

Jetzt kostenlos abonnieren