Stuttgart02

Santo Subito

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Heilung – Heil werden – Heiligkeit, all diese Ausdrücke haben einen inneren Zusammenhang. Wer aber denkt in diesem Zusammenhang sofort an eine Selig- oder Heiligsprechung? Und was muss das für ein Mensch sein, der von der Kirche derart herausgehoben wird? Die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. durch seinen Nachfolger am gestrigen Sonntag ging durch alle Medien. „Santo Subito“ – sofort heilig, so riefen viele Menschen am Tag seiner Beerdigung vor sechs Jahren. Nun wurde ihr Wunsch Wirklichkeit. Scheinbar haben viele Menschen in Karol Wojtyła, so der bürgerliche Name des neuen Seligen, ein Vorbild gesehen. Aber ein Heiliger oder ein Seliger - ist das nicht eigentlich etwas von gestern? Und warum soll ich einen Seligen oder Heiligen verehren?
Viele von uns sind geneigt zu glauben, Heiligkeit ist ein Ziel, das nur wenige Auserwählte erreichen können. „Für mich gilt das nicht, das will ich auch nicht.“ Aber Heiligkeit, das bedeutet nicht, dass ich besondere Taten vollbringen muss, sondern ein heiliges Leben führt derjenige, der sein Leben so gestaltet, dass es Gott gefällt. Heilig wird derjenige, der ein Leben führt, in dem er die Einstellungen, Gedanken und auch das Verhalten von Jesus Christus teilt. Jeder von uns aufgerufen, so ein Leben zu führen. Davon ist keiner ausgeschlossen. Und wir sind auch nicht aus uns selbst heraus dazu in der Lage. Dazu befähigt Gott allein. Alle eigenen Anstrengungen in diese Richtung laufen ins Leere.
Auch Heilige sind keine Menschen ohne Makel. Auch sie haben ein Leben lang mit ihren Fehler und Schwächen, mit ihrem Zweifel und Unglauben gerungen. Es gibt keinen Menschen ohne Fehler, nur Jesus Christus war davon ausgenommen.
Aber warum verehre ich dann die Heiligen? In ihnen kann ich sehen, wie Gott gewirkt hat. An ihnen kann ich mir ein Beispiel nehmen. Sie verehren, das heißt ihrem Vorbild folgen, ihren Weg nachahmen. Und wie geht das? Heiligkeit ist nichts anderes als alles aus Liebe tun, den Nächsten lieben und in ihm ein geliebtes Geschöpf Gottes erkennen.
Jeder von uns weiß von Menschen, Vorbilder und heilige Menschen, die nie von der Kirche als Selige oder Heilige erklärt werden. Aber gerade diese Menschen – meine Großmutter, mein bester Freund, meine verstorbene Ehefrau – diese einfachen Heiligen sind es, die für mein Leben Wegweiser sein können, Wegweiser zu einem Leben, das gelingt.

Diakon Jörg Widmann SDB

 

 

 

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