Stuttgart02

Was bringt´s?

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Jugendliche haben ihre eigene Sprache und Sprechweise, und es ist gar nicht so selten, dass Erwachsene diese Sprache übernehmen. Da gibt es Worte und Ausdrücke, die eine gewisse Zeit verwendet werden, dann aber wieder rasch verschwinden. Aber es gibt auch Worte und Begriffe, die sich lange Zeit, ja oft sogar Jahre hindurch halten und sich richtig im Sprachgebrauch festsetzen.
„In“ sein oder „keinen Bock“ haben, „cool „sein“ oder einfach „gut drauf“ sein, das ist heute wohl schon allgemeiner Sprachgebrauch. Ein Ausdruck, mit dem ich mich absolut nicht anfreunden kann und der mich immer wieder auf die Palme bringt, das sind die zwei Worte: „was bringt´s“. Seit Jahren ist es ein Modebegriff, der sich auch bei Erwachsenen großer Beliebtheit erfreut. „Was bringt´s“!? Ein Begriff, der schnell und belanglos dahergesagt wird.
Oft frage ich mich, ob da nicht eine Haltung, eine Grundhaltung, ja eine ganze Lebenseinstellung dahinter steckt. Muss wirklich alles im Leben etwas bringen? Kann ich nicht einmal auch etwas tun, einfach so, weil es eben getan werden muss oder weil es sonst keiner tut? Kann ich nicht auch etwas tun, wo nicht sofort das Ergebnis, der Erfolg, die Anerkennung, die Bezahlung oder die Belohnung sichtbar ist?
Ich meine, und davon bin ich überzeugt, „Leben“ ist mehr, als nur die Frage zu stellen: „was bringt´s“. Leben ist mehr als ein Aneinanderreihen von Kosten-Nutzen-Rechnungen. Menschliches Leben braucht oft den selbstlosen Einsatz, braucht das Dienen und Helfen, braucht das dem anderen Beistehen ohne großes Aufsehen und ohne große Gegenleistung.
Menschliches Leben braucht oft unseren selbstlosen Einsatz und unser Engagement um Gottes willen, um der Menschen willen, um unserer Schöpfung willen. Einfach gut sein, um des Gutseins willen.
Uns allen ist es als menschliche Aufgabe gegeben, soziale und individuelle Not wahrzunehmen, zu entdecken und ihr entsprechend zu begegnen. Soziales Handeln gehört auch seit jeher zur Aufgabe von Christen. Grundlage dieses Engagements ist das Vertrauen, dass wir von Gott geliebt sind und diese Liebe weiterschenken dürfen, ja sogar weiterschenken müssen, auch ohne diese Frage: was bringt´s“.
Martin Luther King meinte einmal: „Wir haben gelernt, wie Vögel zu fliegen, wie Fische zu schwimmen, doch haben wir die einfache Kunst verlernt, wie Geschwister zu leben.“
Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen eine schöne Urlaubs- und Ferienzeit.

P. Ernst Kusterer SDB

 

 

 

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