Stuttgart02

Leben im Geist Don Boscos

Pater+Reinhard+Gesing+SDB

Von Pater Reinhard Gesing SDB,
Leiter des Instituts für Salesianische Spiritualität in Benediktbeuern

 

Das Wort "Spiritualität" ist eine Art Modewort geworden, was schon ein kurzer Blick auf den Büchermarkt zeigen kann. In seiner ursprünglichen Bedeutung meint dieses Wort: "Leben im Geist Jesu Christi".

Vorliebe für die Jugend

Unser Ordensgründer Don Giovanni Bosco (1815-1888) hat ganz aus diesem Geist Jesu heraus gelebt. Er wusste sich vor allem von Jesus Christus als dem Guten Hirten angesprochen, der sich den Armen und Kleinen und unter ihnen gerade auch den bedürftigen jungen Menschen zugewandt hatte. Das Evangelium erzählt; wie Jesus ein Kind in die Mitte stellte (vgl. Mt 18,1-6) und die Kinder umarmte und segnete (vgl. Mk 10,13-16). Dies war auch der Lebensinhalt Don Boscos. So schrieb er einmal im Vorwort eines Gebetbuches für seine Jugendlichen: "Es genügt mir, dass ihr jung seid, um euch überaus zu lieben."
Don Bosco wollte den jungen Menschen seiner Zeit, die oft sozial und religiös entwurzelt waren, Vater, Bruder und Freund sein, um ihnen so Orientierung und Weggemeinschaft ins Leben zu geben. Das heutige Logo der Salesianer Don Boscos (siehe rechts) möchte dieses zentrale Element seiner und unserer Spiritualität auf plastische Weise zum Ausdruck bringen.
Die Vorliebe für die jungen Menschen, insbesondere die bedürftigen unter ihnen, und der Antrieb, für sie da zu sein, um sie die Liebe Gottes erfahren zu lassen, das war die Mitte der Spiritualität Don Boscos und das ist auch die Mitte der Spiritualität der von ihm gegründeten Ordensgemeinschaft. Wie Don Bosco wollen auch die Salesianer mit "Vernunft, Liebe und Religion" helfen, ein glückliches und von Sinn erfülltes Leben zu finden. Don Bosco fasste sein tiefstes Anliegen in das Wort: "Ich will euch zeitlich und ewig glücklich sehen."

Liebenswürdigkeit und familiärer Stil

Dabei war es Don Bosco wichtig, dass nicht nur über die Liebe geredet würde, sondern dass die jungen Menschen auch gelebte Liebenswürdigkeit ("amorevolezza") spüren und erfahren dürfen. So schrieb er in seinem wohl berühmtesten Brief aus Rom (1884) an seine Salesianer: "Es reicht nicht, dass die Jugendlichen geliebt werden, sondern sie müssen diese Liebe auch spüren... Ohne Herzlichkeit und Familiarität zeigt sich die Liebe nicht, und ohne diesen Beweis der Liebe kann es kein Vertrauen geben."
In diesem Sinne wollte Don Bosco, dass sich diese Liebe in Güte, Achtung und Geduld, aber auch in freundschaftlichen Beziehung zu den jungen Menschen ausdrücken sollte. Salesianische Einrichtungen sollten "Häuser" sein, wo sich die jungen Menschen angenommen und verstanden wissen. Bis heute gilt das tagtägliche Bemühen um ein familiäres Klima als zentrales Kennzeichen des Lebens und Arbeitens im Geiste Don Boscos. Hierzu gehört auch das Bemühen um gegenseitiges Vertrauen, eine von wechselseitiger Annahme geprägt Herzlichkeit, aber auch die Bereitschaft zu Vergebung und Versöhnung.

Vertrauen und Optimismus

Die Zeit Don Boscos stand Kindern und Jugendlichen oft gleichgültig oder sogar ablehnend und misstrauisch gegenüber. Und so hatte Don Bosco mit vielen Widerständen zu kämpfen. Man wollte ihn sogar verhaften oder ins Irrenhaus stecken. Und doch ließ sich er sich durch all diese Schwierigkeiten nicht entmutigen. Dabei ließ Don Bosco sich anstecken vom unermüdlichen Optimismus seines großen Vorbildes, des hl. Franz von Sales (1567-1622). Wie dieser glaubte auch Don Bosco an den guten Kern in jedem Menschen. Insbesondere seine Begegnungen mit den jungen Menschen waren geprägt von einem positiven Menschenbild. So lautet einer seiner wichtigsten Sätze: "In jedem Jugendlichen, auch im ,Gauner', gibt es einen Punkt, der für das Gute zugänglich ist." Im Vertrauen auf diese guten Anlagen erst vermochte Don Bosco, selbst jungen Menschen in größten Schwierigkeiten eine Zukunftsperspektive zu eröffnen.

Lebensfreude und Kreativität

Wo ein solch positives Welt- und Menschenbild herrscht, da können auch Freude und Frohsinn Einzug halten. So war es zur Zeit Don Boscos und so kann und soll es auch heute sein. Feste, Musik, Spiel und Theater, Begegnung und Geselligkeit sind Formen, in denen sich diese Grundhaltungen ausdrücken können. Don Bosco zeigte sich als ein äußerst aktiver und kreativer Geist, der immer darauf aus war, den Nöten und Bedürfnissen seiner Jugendlichen zu begegnen. Und so sagte von sich selbst: "In allem, was zum Vorteil der gefährdeten Jugend ist oder dazu dient, Menschen für Gott zu gewinnen, gehe ich bis zur Verwegenheit." In dieser Tradition sind auch die Salesianer Don Boscos von heute davon überzeugt, dass Gott sich in den Zeichen der Zeit kundtut und uns aufruft, in den Nöten der jungen Menschen von heute seine Klopfzeichen zu erkennen. Gott will nicht, dass Menschen leiden. Er will aber, dass wir Not und Leid entgegentreten, wo immer sie sich uns zeigen, besonders wenn es um Kinder und Jugendliche geht. Hier sind wir mit Kreativität und Flexibilität gefordert.

Alltagsspiritualität

All das zeigt, dass Leben im Geiste Don Boscos nichts mit einer weltfremden oder abgehobenen Spiritualität zu tun hat, sondern sich mitten in der Welt von heute ereignet. Salesianische Spiritualität ist Alltagsspiritualität. Sie bedarf keiner besondern Buß- oder Fastenübungen, die über das allen Christen empfohlene hinausgehen. Sie sucht Gott auch nicht an fernen Orten, sondern sie begegnet ihm im Jugendzentrum und in der Schule, im Unterrichtsraum und in der Freizeit, auf dem Schulhof und auf dem Spielhof, in Jugendeinrichtungen und auf der Straße, in der Disco und auf dem Fußballplatz, bei Jugendtreffen und auf Ferienfahrten - überall da, wo junge Menschen mit ihren Sehnsüchten und Fragen, Hoffnungen und Ängsten sind und leben. Für den Salesianer in der Tradition Don Boscos heißt Gottes-Dienst Menschen-Dienst, besonders Dienst an den jungen Menschen.

Im Dialog mit Gott

So in Beziehung mit den Menschen sein kann freilich nur, wer in Verbundenheit mit Gott lebt. Von Don Bosco bezeugten das diejenigen, die ihn aus nächster Nähe kannten, dass all sein Tun aus einer tiefen Einheit mit Gott entsprungen ist. Auch das salesianische Apostolat heute bedarf eines lebendigen Gebetslebens, das persönliche Formen (z.B. die Meditation) und gemeinschaftliche Formen (z.B. Laudes und Vesper) kennt. Wie für alle Christen ist auch für uns die Eucharistie Mitte und Höhepunkt unseres geistlichen Lebens. Salesianisches Beten im Sinne Don Boscos soll sich aber gerade dadurch auszeichnen, dass die Not der jungen Menschen von heute darin einen besonderen Platz hat und wir stellvertretend für all die jungen Menschen vor Gott treten, die aus welchen Gründen auch immer nicht glauben und nicht beten können. Und es soll dadurch gekennzeichnet sein, dass die Gottesliebe, die uns immer wieder neu geschenkt wird, uns dazu befähigt, den jungen Menschen "Zeichen und Botschafter der Liebe Gottes" zu sein. So trachten wir danach, die Einheit von Apostolat und Gebet zu finden, die Don Bosco uns vorgelebt hat.

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Salesianer Don Boscos
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Die Salesianer Don Boscos in Stuttgart, eine Niederlassung der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos, begleiten, fördern und unterstützen in Absprache und enger Zusammenarbeit mit dem katholischen Jugendreferat / BDKJ-Dekanatsstelle die Jugendseelsorge in den katholischen Gemeinden und Seelsorgeeinheiten der Großstadt Stuttgart. Mehr zur Arbeit der Salesianer Don Boscos in Deutschland erfahren Sie unter: www.donbosco.de

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