Eine Niederlassung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

Hausgottesdienste und Instagram retten die Osterzeit

Veröffentlicht am: 07. Juni 2020

Als Jugendseelsorger sind die Salesianer Don Boscos den direkten Kontakt mit den Menschen gewohnt – in der Coronakrise müssen sie sich anders behelfen. Dabei beweist die Pfarrhaus-WG großen Erfindergeist.

Kein Osterfeuer, keine Osternacht mit der Gemeinde, kein Chorgesang zum Hochfest – so eine Osterwoche haben die drei Stuttgarter Glaubensbrüder der Salesianer Don Boscos noch nie erlebt. Eigentlich hat es sich der Orden zur Aufgabe gemacht, katholische Gemeinden in der Landeshauptstadt bei ihrer Jugendarbeit zu unterstützen. Doch auch die Kirchen bleiben von der Pandemie nicht verschont – seit Wochen fallen Jugendbegegnungen, Firmvorbereitungen und Gottesdienste dem Virus zum Opfer.  

„Die unmittelbare Nähe, für die der Glauben steht, fehlt uns. Kirche betont immer das Miteinander, doch das ist nun nicht mehr so einfach möglich“, sagt Pater Clemens, der seit 2016 die Salesianer in Stuttgart unterstützt. Was dem Orden bleibt, sind die digitalen Kanäle der Stuttgarter Jugendkirche und das Feiern von Hausgottesdiensten.

In Obertürkheim teilen sich die drei eine gemeinsame Wohnung, mit der Coronakrise im Nacken ist die „Pfarrhaus-WG“ zur Brutstätte moderner Jugendarbeit geworden. Gemeinsam probieren sich die Salesianer nun an Gottesdiensten aus dem Homeoffice – ob im kleinen Kreis als tägliche Hausmesse oder verbunden mit Jugendlichen aus der ganzen Stadt. „Für Firmlinge habe ich an Palmsonntag zum Beispiel eine Skype-Andacht abgehalten, die sehr gut ankam. Ich wurde anschließend sogar von Eltern darauf angesprochen, wie wichtig ihren Kindern diese Auszeit gewesen wäre“, erzählt Pater Jörg, der Direktor der Stuttgarter Niederlassung.

Auch seine Mitbrüder haben sich darauf eingestellt, ihr Engagement in den digitalen Kirchenraum zu verlagern: Bruder Matthias kuratierte in den vergangenen Jahren einen ökumenischen Kreuzweg der Jugend, auf die Begehung seines Herzensprojekts musste er heuer aber verzichten. „Jetzt sind wir auf Instagram aktiv und versuchen dort, den Kreuzweg als einzelne Posts anzubieten“, sagt er. Die Not macht auch die katholische Kirche erfinderisch.          

Trotzdem ist die Hoffnung bei den Salesianern groß, schon bald wieder gemeinsam Gottesdienste feiern zu können. Denn in einem sind sich die Ordensmänner einig: Die rein digitale Kirche kann nur eine Lösung auf Zeit sein. Selbst unter Jugendlichen sei das unumstritten, bestätigt Pater Jörg: „Viele sehnen sich nach Treffen mit ihren Freunden. Auch für uns ist es einfach etwas anderes, wenn wir uns bei Gesprächen in die Augen schauen können.“ Bis es soweit ist, sei vor allem der Zusammenhalt gefragt: „Jetzt ist es wichtiger denn je, sich freundlich zu begegnen. Noch besser ist, einfach mal das Telefon in die Hand zu nehmen und mit denen zu sprechen, die sich einsam fühlen.“

Aus christlicher Sicht sei nun besonders wichtig, nicht in Aktionismus zu verfallen: „Wir sollten uns ganz bewusst Zeit für uns selbst nehmen. Dafür braucht es keinen hochfeierlichen Gottesdienst mit Priester. Die Feiertage lassen sich auch im Kleinen zelebrieren.“ Die Ostergeschichte lesen, gemeinsam mit der Familie über die Auferstehung sprechen – dazu könne er jeden nur ermutigen.

(Felix Heck / zuerst erschienen am 11.04.2020 in den Stuttgarter Nachrichten)