Eine Niederlassung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

Pater Ernst Kusterer verstorben

Veröffentlicht am: 12. September 2021

Gott der Herr hat am 06. September 2021 unseren lieben und sehr geschätzten Mitbruder und unseren langjährigen Direktor P. Ernst Kusterer SDB nach einem arbeitsreichen und erfüllten Leben im Dienst für die jungen Menschen zu sich in seine ewige Herrlichkeit gerufen. Sein Tod hat viele in Stuttgart und in der Diözese mit tiefer Trauer erfasst.

Ernst Kusterer wurde geboren am 23. Februar 1944 in Augsburg als erstes Kind der Eheleute Ernst und Regina Kusterer und wurde am darauf folgenden Tag in der Pfarrkirche St. Anton in Augsburg getauft. Ernst konnte seinen Vater nie kennenlernen, da dieser in den letzten Kriegsmonaten an der russischen Front eingesetzt war und als vermisst gemeldet wurde. So lebte Ernst seine ersten Lebensjahre bei seiner Mutter in Augsburg-Hochzoll und besuchte dort auch ab 1950 die Grund- und Hauptschule (Volksschule), die er 1958 mit dem damals üblichen Entlassungszeugnis abschloss. Als in dieser Zeit die Berufswahl anstand, kam in ihm der Gedanke auf, dass er doch auch das Gymnasium besuchen könnte, um das Abitur zu machen. Ob hier schon der erste Gedanke an den Priester- und Ordensberuf aufgekommen war? Über seinen Heimatpfarrer kam Ernst in Kontakt mit P. Schäffler, dem damaligen Direktor des Marianums in Buxheim und konnte dort das Internat und das Gymnasium besuchen. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse ermöglichte ihm dies seine Mutter Regina, die sich immer um ihren Sohn sorgte und ihn auf seinem Weg durch ihren Einsatz und ihre Arbeitskraft, aber auch durch ihr Gebet wirksam unterstützte. Das Gymnasium in Buxheim besuchte Ernst von 1958 bis 1964. In diesem Jahr wurde sein Gedanke, der sich in den vergangenen Jahren gebildet und aufgebaut hatte, Salesianer Don Boscos zu werden, Wirklichkeit. Er trat 1964 in das Noviziat der Salesianer Don Boscos in Ensdorf ein und legte dort am 15. August 1965 seine erste und am 15. August 1971 seine ewige Ordensprofess ab. Am Theresianum in Bamberg, der Spätberufenenschule der Karmeliten, machte er 1968 das Abitur und damit auch einen weiteren Schritt auf dem Weg zum Priestertum. Nach dem Abitur folgte die weitere „salesianische Laufbahn“: Pädagogische Praktika in Bamberg, Pfaffendorf und Buxheim sowie das Studium der Sozialpädagogik in Benediktbeuern mit dem Abschluss als Diplomsozialpädagoge. Parallel zu dieser Ausbildung erfolgte das Studium der Philosophie und der Theologie in Benediktbeuern, unterbrochen durch ein Freisemester an der Universität in Würzburg, das, wie er sagte, erheblich zur „Erweiterung seines theologischen Horizontes“ beigetragen habe. Am 29. Juni 1975 wurde er in Benediktbeuern zum Priester geweiht. Ernst hat seinen Weg und seine Berufung immer sehr genau reflektiert. Und so schrieb er im Pfarrbrief seiner Heimatpfarrei St. Peter und Paul in Augsburg anlässlich seiner Primiz: „Öfters habe ich mir darüber Gedanken gemacht, dass es doch gescheitere, kontaktfreudigere, frömmere junge Menschen gäbe, die Gott zu diesem Dienst berufen müsste. Und dabei ist mir in einer ganz besonderen Weise neu aufgegangen: Berufung kann man nicht erzwingen, Berufung ist unverdiente Gnade. So habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen und mich dem Anruf Gottes gebeugt im Vertrauen auf sein Wort: ‚Geh nur, wohin ich dich sende! Verkünde, was ich dich heiße! Fürchte dich nicht, ich bin ja bei dir. Jer 1,7f.‘“ Das war sein Primizspruch und dieser hat ihn auch sein ganzes Leben lang begleitet und immer wieder neu motiviert.

Nach seiner Priesterweihe war Pater Kusterer in unterschiedlichen Niederlassungen der Salesianer eingesetzt: Internatsleiter in Buxheim, Erziehungsleiter in Burghausen, Leiter des Schülerzentrums Schloss Fürstenried, einer Jugendbildungsstätte der Erzdiözese München und Freising, Direktor des Lehrlingswohnheimes Salesianum in München.

1999 schließlich kam Pater Ernst Kusterer zusammen mit zwei weiteren Mitbrüdern nach Stuttgart, um hier in der Jugendseelsorge salesianische Akzente zu setzen und Zeit zu haben für junge Menschen. Und so leitete er zunächst die Präsenz der Salesianer in Stuttgart und dann als Direktor die neu errichtete Niederlassung. Hier war er wieder zu Hause in seiner von ihm gewünschten und mit großer Energie gestalteten Arbeit, die er die Jahre zuvor auch ein wenig vermisst hatte. Hier fand er auch sehr schnell den direkten Zugang zu den jungen Menschen, hier konnte er viele seiner Ideen umsetzen, hier hatte er die notwendige Freiheit, seine Arbeit so zu tun, wie er es sich selbst vorstellte. Sein Einsatz und auch der seiner Mitbrüder fand offensichtlich große Anerkennung in der Öffentlichkeit und bei den Verantwortlichen in Diözese und Dekanat. Sein pastoraler Dienst ging auch über die Jugendseelsorge hinaus hinein in die Pfarrseelsorge und in die Zusammenarbeit mit anderen Ordensgemeinschaften. So war P. Kusterer auch einige Jahre Mitglied des Priesterrates und des Diözesanrates sowie stellvertretender Sprecher des Ordensrates der Diözese. Weihbischof Thomas Maria Renz, der Jugend- und Ordensreferent der Diözese Rottenburg-Stuttgart, schreibt zum Tod von P. Ernst Kusterer an den Provinzial der Salesianer: „Mit dem Heimgang von Pater Ernst verliert nicht nur Ihre Ordensgemeinschaft eine sehr profilierte, überzeugende und glaubwürdige Priestergestalt, sondern auch unsere Diözese und deren Ordensgemeinschaften einen enorm erfolgreichen, liebenswerten und starken Mitbruder im pastoralen Dienst.“ Diese Würdigung zeigt die große Anerkennung, die das pastorale Wirken von P. Ernst Kusterer in den Stuttgarter Jahren zu Recht gefunden hat. Eine erfüllende Aufgabe fand er auch in der Rundfunkarbeit. Im Sender „BIG FM“ in Stuttgart war er für seine Beiträge und für seine Gespräche mit jungen Menschen bekannt und gefragt und diese Aufgabe machte ihm auch erkennbar Spaß. In Anspielung auf seine Gestalt und auf den Sendernamen firmierte P. Kusterer dort als „BIG-Pater“.

Im Jahre 2016, mit 72 Jahren, entschloss er sich, die Aufgabe in Stuttgart abzugeben und wurde auf seinen Vorschlag hin in den „Ruhestand“ nach Ensdorf versetzt. Aber auch hier übernahm er gerne noch verschiedene Aufgaben: Stellvertreter des Direktors bis 2020, Chronist der Niederlassung, Betreuung der Wohltäter. Aber vor allen Dingen übernahm er gerne Seelsorgsaufgaben: Exerzitien für Ordensgemeinschaften, Besinnungstage für Pfarreien, Gottesdienstaushilfen. All das tat ihm gut, war für ihn Freude und Erfüllung.

Im Frühjahr dieses Jahres wurde er mit Corona infiziert. Diese Krankheit nahm für ihn einen so schweren Verlauf, dass er sich davon nie mehr ganz erholte. Das dreiwöchige Koma mit Beatmung auf der Intensivstation hinterließ seine Spuren. So zeigten sich in der Folgezeit immer wieder körperliche Schwächen, die unserem Mitbruder immer mehr die Kraft raubten. Zwei Stürze innerhalb kurzer Zeit führten zum Bruch der Schulter und zum Bruch der Hüfte. Nach der Operation an der Hüfte erlitt er einen Herzstillstand, von dem er sich trotz schneller ärztlicher Hilfe nicht mehr erholte. Am 6. September 2021 gegen 11.30 Uhr wurde P. Ernst Kusterer im Klinikum in Amberg von Gott, dem Herrn, den er so kraftvoll und ideenreich verkündet hatte, heimgerufen in die Herrlichkeit des Himmels.

Sein Freund und Direktor von Ensdorf, Pater Schrapp, schrieb in seinem Nachruf: „Danke, lieber Ernst, für all deine Arbeit und deinen Einsatz, danke für deine Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit, danke für deinen Humor und deinen Umgang mit uns Mitbrüdern, danke für dein bis zum Schluss andauerndes Interesse an der jungen Generation. Du hast den jungen Menschen viel gegeben, du hast den Gemeinschaften, in denen du lebtest und wirktest, viel gegeben. Du hast wirklich wahr werden lassen, was du dir zum Beginn deines priesterlichen Wirkens als Leitwort gegeben hast: ‚Geh nur, wohin ich dich sende! Verkünde, was ich dich heiße! Fürchte dich nicht, ich bin ja bei dir.‘ Der Herr möge dir all das vergelten!“