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in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

Braucht Gott eigentlich auch Urlaub?

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Zugegeben, eine nicht ganz ernst zu nehmende Frage! Aber bitte, nehmen Sie die Frage ruhig einmal ernst in einer Zeit, in der es fast selbstverständlich ist, dass man Urlaub braucht – Urlaub beantragt  – Urlaub nimmt – Urlaub macht. Es ist bekannt, dass Gott für sich auch seine eigene Ruhe in Anspruch nimmt. „Und Gott ruhte am siebten Tag von all seinen Werken, die er geschaffen hatte“(Gen 2,2).
Es ist die älteste „Auszeit“, die wir kennen. Dass Gott sie braucht, davon lesen wir nichts in der Bibel. Er nimmt sie sich einfach, ganz souverän. War seine Arbeit so anstrengend? Er hatte ja einfach nur befohlen, dass Licht und Finsternis, Erde, Himmelsgewölbe, Wasser, verschiedene Arten von Gewächsen und Lebewesen da sein sollten. Und auch Mann und Frau als Krone der Schöpfung. Eine „Auszeit“ musste er sich einfach gönnen.
Doch die Arbeit, die er mit dem Werk seiner Hände, namens Mensch, vollbracht hatte, hält ihn schon bald auf Trapp. Sorgen und Unruhen begannen, mit der paradiesischen Ruhe und dem himmlischen Frieden war es endgültig vorbei. Jeden Tag hatte er seitdem alle Hände voll zu tun, um wieder herzustellen, um zu heilen, zu trösten, in Ordnung zu bringen, was sein liebstes Geschöpf, der Mensch, da so anstellt. Jeden Tag muss er neu mit ansehen, wie sich seine Kinder immer wieder die Köpfe einschlagen, wie sie die gute Schöpfung zerstören. Braucht Gott eigentlich nicht auch Urlaub?
Stellen Sie sich einmal vor, er nimmt ihn sich einfach., ganz souverän. Er füllt einen Urlaubsbogen aus, wie er das bei seinen Kindern gesehen hat, reicht ihn bei sich selbst ein (wer sollte denn sonst zuständig sein?), und genehmigt sich selbst die beantragten Wochen. Er packt seine sieben Sachen, schaltet den automatischen Anrufbeantworter ein mit der Botschaft:
Gott ist vom 1. Juli bis 30. August mit unbekanntem Ziel verreist, die Zentrale ist geschlossen. Wollen Sie eine Nachricht hinterlassen, dann sprechen Sie bitte jetzt. „piep...“.
Kann Gott so handeln, wenn er an seine Kinder denkt, die er jetzt so im völligen Chaos zurücklässt: im Streit miteinander, im Krieg und im Hunger, ohne jeden Schutz, ohne Hilfe, ohne Zuspruch?
Ehrlich gesagt, ich kann mir das nicht vorstellen. Ich glaube, er setzt seinen Koffer noch einmal ab, holt den zerknitterten Urlaubszettel aus seiner Jackentasche und schreibt mit großen Buchstaben darauf: „Urlaub gestrichen“. Wenn er seine sieben Sachen wieder ausgepackt hat wird er auch seinen Anrufbeantworter wieder ausschalten. Er wird in sich hineinlächeln und vor sich hinmurmeln: „Na ja, ich hätte sowiso nicht gewusst, wohin die Urlaubsreise gehen sollte. Ich meine, ich bleibe weiter für die Menschen da und wohne bei ihnen. Ich bleibe für sie jederzeit zu sprechen.“
Eine schöne und erholsame Ferien- und Urlaubszeit!

P. Ernst Kusterer SDB

 

 

 

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