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Salesianer Don Boscos

Geistliches Gespräch mit der „Benewand“

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Am Beginn der Ferien war ich mit einigen Jugendlichen auf einer Hütte in den bayerischen Voralpen. Die Hausstattalm liegt unmittelbar vor dem Felsmassiv der Benediktenwand. Von den Einheimischen wird sie einfach Benewand genannt. Bei diesem Aufenthalt entstand das folgende Gespräch mit dem Berg, nach einer Idee des ehemaligen Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher

Hallo Benewand,
endliche stehe ich dir wieder direkt gegenüber - übermächtig und fast unnahbar erscheinst du von hier aus. Aber ich weiß, das ist nur eine Seite von Dir. Darin hast du mit uns Menschen etwas gemeinsam

So, kannst Du mir das näher erklären?

Es ist dein Doppelgesicht.
Nach Norden zeigst Du dich gewaltig aufragend als scheinbar unüberwindliche Wand.
Aber vom Süden her fügst Du dich bescheiden ins Bild der übrigen Berge und wirkst irgend wie einladend. Der Weg ist auch von Jachenau aus nicht geschenkt - aber doch ein Weg, den jeder schaffen kann. Und damit bist Du ein Symbol.

Ich verstehe nicht. Wofür?

Für den Weg zu Gott.
Der unendliche Gott ist auf der einen Seite für uns Menschen übermächtig und fremd, unersteigbar und abweisend. An seinen Wänden und Schluchten scheitert unser Denken und Sinnen.
Dann wieder scheint der Glaube gerade da brüchig zu werden, wo wir Halt gesucht haben und die Bruchstücke unserer Gottesvorstellungen fliegen uns um die Ohren.
Manche Wege sind gut ausgetreten . Man kann ihnen ohne Probleme folgen. Andere sind schon so glatt und rutschig, dass es besser ist einen eigenen Weg zu suchen.
Manche Leute, die sich schon viel mit Gott beschäftigt haben, entdecken einen direkten Zugang – mitten durch die Wand sozusagen. Sie kennen die Haken und Steige, die man erst entdeckt, wenn man ganz nah an de Fels herangeht.
Nur wer sich auf das Risiko Glauben einlässt, kann seine Kraft und seinen Trost spüren.

Daran habe ich noch nie gedacht. Ich bin einfach da und jeder der will
kann zu mir kommen – auf dem Weg der für ihn passt.
Wenn es Euch gut tut, dann bin ich gern ein Symbol für unseren gemeinsamen Schöpfer.

P. Alfons Blüml

 

 

 

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