Eine Niederlassung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

Gestatten...

Kurz vor dem Weihnachtsfest, da geht es mit den Weihnachtskarten erst richtig los. Die Post hat nun Hochbetrieb! Jede Firma und jeder Betrieb, jede Familie, die etwas auf sich hält, versendet Weihnachtskarten mit den besten Wünschen für´s Fest. Wir wollen ja zeigen, dass wir aneinander denken und dass wir uns auf jeden Fall nur das Beste wünschen, für Weihnachten und für Neujahr.
Da gibt es sehr geschmackvolle Karten mit wunderbaren Motiven von Maria, Josef und dem Kind in der Krippe, natürlich in Hochglanz. Da gibt es kunstvoll angefertigte und speziell ausgesuchte Karten mit hohen theologischen Texten, und wir merken, der Absender hat sich viel Mühe gemacht. Und es gibt auch die sogenannten 08/15 Karten mit der kurzen Bemerkung: Frohes Fest!
Eine Weihnachtskarte, die überhaupt nicht in diese üblichen Kartenkategorien zu passen scheint, erreichte mich dieser Tage.

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Gestatten, dass ich mich vorstelle...  –  spricht Gott.
So stand es in großen Druckbuchstaben auf einer schlichten weißen Postkarte. Ich war erstaunt: Gott sollte sich vorstellen?! Ausgerechnet bei mir?! Das hat er doch gar nicht nötig!
Er ist mir bekannt, und hoffentlich ich auch ihm. Schon von Kindheit an wurde mir von ihm erzählt, durch die Eltern, die Lehrer, und auch die Pfarrer haben sich große Mühe gegeben. In der Hl. Schrift haben wir ein dickes Buch über ihn und von ihm. Ja, als Christ bin ich sogar ein „Duzfreund“ von diesem Gott. Es ist doch wohl keine Frage, als Pater und Pfarrer bin ich doch in besonderer Weise mit ihm vertraut! Warum also diese Vorstellerei?
Vertrautheit ist eine schöne und wertvolle Angelegenheit. Sie kann aber auch die Gefahr der Abnutzung, der Langeweile, sogar des Überdrusses in sich bergen. Könnte es nicht sein, dass ich, dass wir Gott übersehen, weil wir die Zeichen schon kennen, in denen er zu uns kommt: Krippe, Windeln und Stall, Armseligkeit und Hilfsbedürftigkeit?
Und Gott selbst? Er reißt nicht die Türe auf und stolpert herein. Nein, er klopft leise an und wartet, dass wir ihm öffnen und ihn hereinlassen. Er schreit nicht: „So, jetzt bin ich da, jetzt habt ihr euch mit mir zu beschäftigen“. Nein, er klopft ganz ganz leise an. Er benimmt sich höflich, taktvoll und auch rücksichtsvoll:
Gestatten, dass ich mich vorstelle...  –  spricht er.
Die Gefahr, dass wir vor lauter Festesrummel, Lichterketten, Geschenken und Weihnachtsgans ihn selbst überhören ist unendlich groß. Kurz vor dem Weihnachtsfest! Noch haben wir Zeit, unsere Ohren für sein „leises Klopfen“ zu schärfen.

 

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