Eine Niederlassung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

„Ohne Fehl und Tadel“

„Jeder Mensch hat seine guten Seiten.
Man muss nur die schlechten umblättern.“
Ernst Jünger

„Ohne Fehl und Tadel“, das ist ein ganz besonderes Qualitätsurteil. Und weil es eben etwas Besonderes ist, trifft es nur für ganz wenige Produkte zu. Denn irgend etwas lässt sich doch immer finden, was diese Beurteilung verhindert.
Auf einen Menschen lässt es sich noch schwerer übertragen. Auch wenn viele von sich glauben, dass sie schwer in Ordnung sind und sich nur weniges verbessern ließe, ist es eben dieses bisschen, was ein solches Qualitätsurteil verhindert.
Jugendliche tun sich da leichter. „Das ist ein echt cooler Typ!“ So nennen sie heute schnell einen Menschen, den sie super finden. Ihre Bewunderung geht dann oft sogar so weit, dass sie sein Outfit, seine Art sich zu bewegen ja sogar seine Ausdrucksweise bis ins Detail nachahmen, um sich selbst auch diese „Coolheit“ zuzulegen.
Erwachsene sind da wesentlich vorsichtiger, wenn sie einen Menschen einschätzen oder gar beurteilen. Sie haben es weniger mit den coolen Typen oder den Menschen ohne Fehl und Tadel. Wer von uns möchte schon so eine Lichtgestalt sein, ein Superman oder Supergirl. Oft sind es gerade die kleinen Schwächen, die einen Menschen sympathisch und liebenswert sein lassen. Und wäre es auch nur deshalb, damit man selbst neben solchen Supertypen bestehen kann.
Selbst beim Blick auf die Heiligen findet man kaum jemanden, dessen hohe Tugendgrade von der ersten Minute an bereits feststellbar gewesen wären. Viele konnten Großartiges leisten, weil sie bei sich selbst erfahren hatten, was es heißt, bedürftig zu sein und Defizite zu verspüren.
In der Kirche brauchen wir keine Sieger- oder Supertypen, die ohne Fehl und Tadel voranschreiten. Wir brauchen auch keine coolen Helden. Menschen, die sich mit einer erkennbaren Persönlichkeit und guten Fachkenntnissen den Fragen der Zeit stellen, die sind heute gefragt. Und ganz besonders Menschen, die sowohl bei sich selbst, als auch beim anderen den guten Kern entdecken, der in jeder Person steckt, die guten Seiten, die jeder hat. Was jemand über andere erzählt, berichtet und klatscht, gereicht ihnen selten zu Ehre. Es gehört Mut dazu, diese schlechten Seiten energisch umzublättern und die guten aufzuzeigen. Diesen Mut wünsche ich uns allen. Also: Blättern wir weiter; das kann sehr spannend sein!
Eine gute und entdeckungsreiche Zeit wünscht von ganzem Herzen

P. Ernst Kusterer

 

 

 

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