Eine Niederlassung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

Weiße Kleider, reine Seele!?

024

Der erste Sonntag nach Ostern wird „Weißer Sonntag“ genannt. Traditionell gehen an diesem Tag die katholischen Kinder der dritten Grundschulklasse zur ersten heiligen Kommunion. Wochenlang haben sie sich auf diesen Tag vorbereitet und oft waren sie in der Heiligen Messe und haben „nur“ ein Kreuzzeichen auf die Stirn bekommen, das mit einem Segensgebet verbunden ist. Am „Weißen Sonntag“ wird ihnen zum ersten Mal die heilige Kommunion, das Brot, das im Hochgebet zum Leib Christi wird, gereicht. Von nun an dürfen sie, wo und wann immer sie wollen, die heilige Kommunion empfangen.
Zu diesem großen Fest gehören natürlich auch äußere Zeichen. Besonders die Mädchen tragen oft teure weiße, weite Kleider; weiße Armstulpen und Handtaschen; auch entsprechende Schuhe dürfen nicht fehlen. Wenn es nicht Kinder wären, die diese Kleider tragen, könnte man meinen, dass es sich um Bräute auf dem Weg zu ihrer Hochzeit handelt. Im Familienfotoalbum sind daher die Fotos der Kommunion neben denen der Hochzeit die Bilder, denen eine besondere Bedeutung zukommt.
Dabei sind die kleinen leuchtend weißen „Brautkleider“ gar nicht direkt die Namensgeber des Weißen Sonntags. Das weiße Kommunion- oder Brautkleid erinnert den Christen an sein weißes Taufkleid. Dieses weiße Kleid erhält der Täufling nach dem Bekennen seiner Sünden und dem Abschwören des Bösen. Danach wird der Täufling mit Wasser übergossen und sein Name und der Name des dreifaltigen Gottes über ihm ausgerufen. Mit diesem Ritual wird seine Seele von persönlicher Schuld gereinigt und grundsätzlich der Macht des Bösen entzogen. Die Liturgie spricht von der Wiedergeburt durch Wasser und Heiligem Geist.
Dieser Neuanfang ist für Babys nicht besonders auffällig; für Erwachsene aber ein bedeutender Schritt in ihrem Leben. Fast ein Jahr lang bereiten sich die Erwachsenen auf ihre Taufe vor. Der Beginn dieser Vorbereitungszeit ist seit je her der erste Sonntag nach Ostern. In der Heiligen Messe wird der Taufbewerber (Katechumene) mit einem weißen Mantel bekleidet, zum Zeichen der Reinheit, die er durch die Taufe erlangt. Diese Einkleidung hat dem ersten Sonntag nach Ostern seinen Namen „Weißer Sonntag“ gegeben. Die ursprüngliche Bedeutung dieses Tages wird in den letzten Jahren neu entdeckt, weil sich auch in Stuttgart wieder häufiger Erwachsene taufen lassen.
Der Weiße Sonntag ist so für immer mehr Menschen wieder der Tag, der ihr Leben grundlegend verändert.

P. Elmar J. Koch

 

 

 

zurück zur Übersicht der Impulse