Eine Niederlassung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

„Hört mich Gott, auch wenn ich nicht laut mit ihm rede?“

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In den Sommerferien zieht Pater Elmar J. Koch, Salesianer Don Boscos, für zwei Wochen in das größte BDKJ-Ferienlager der Diözese nach Friedrichshafen. Hier ist er Ferienlagerpfarrer für mehr als 600 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren und für über 120 ehrenamtliche Helfer. Das Gesamtlager teilt sich in sechs Teil- bzw. Zweiglager auf, von denen vier in der Nähe des Bodensees aufgeschlagen sind. Als Anlaufstelle und Stilleraum gibt es im Ferienlager Seemoos eine kleine Kapelle, das sogenannte „Shalom“!
Die Betreuer unternehmen etwas mit den Kindern, der Ferienlagerleiter schaut, dass alles in Ordnung ist, aber was macht ein Ferienlagerpfarrer den ganzen Tag? „Ein Lagerpfarrer macht nichts anderes als ein richtiger Pfarrer auch“, sagt Pater Elmar, „nur dass er keine Verwaltungs- und Leitungsaufgabe wahrnehmen muss und so alle Zeit für Menschen vor Ort hat.“ Der Pfarrer hat die Aufgabe in Wort und Tat von Gott zu erzählen. Dazu gehört als Erstes zu schauen, ob es allen im Ferienlager gut geht. Das Wichtigste, so Pater Elmar, sei präsent zu sein und gut hinzuhören, was Kinder und Betreuer zu erzählen haben. Wo sind „Heimwehkinder“, wo hat sich jemand verletzt, wo gibt es Streit zwischen den Kindern, wo liegen bei den Betreuern die Nerven blank? Aber auch die Begleitung der schönen Ereignisse ist wichtig: wer hat gerade Geburtstag, welche Gruppe hat beim Stadtspiel gewonnen, wo gibt es eine Welturaufführung eines selbst komponierten Liedes? Besonders sensible Situationen sind alle Übergänge im Tages- und Ferienlagerablauf. Daher steht der Lagerpfarrer morgens vor 6 Uhr mit der Köchin als Erster auf und sammelt im Shalom alle Kinder, die nicht mehr schlafen können. Viele Kinder gehen abends nach dem Zähneputzen am Shalom vorbei und schauen ob sie ein „gute Nacht“ vom Pfarrer erwischen können. Pater Elmar begleitet die Ankunft und die zum Teil plötzliche Abreise vieler Kinder oder verabschiedet sie für zwei Tage ins Wanderlager.

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Um von der Liebe Gottes erzählen zu können, gibt es ein Morgengebet mit Liedern und Gitarre und ein Abendgebet mit Videobeamer und zum Beispiel einer Powerpoint-Meditation im Shalom. Aus vielen Fragen zwischen „Tür und Angel“ und aus bewusst gesetzten Impulsen entwickeln sich Gespräche über Gott und die Kirche. „Hört mich Gott, wenn ich nicht laut mit ihm rede?“ ist die große Frage der kleinen Sabine. Manche erzählen begeistert von ihrem Einsatz als Ministranten, andere fragten nach, warum ein katholischer Priester keine Frau haben darf? Wieder andere behaupten provozierend, dass sie an gar nichts glaubten. Die schönste Aufgabe, so Pater Elmar, sei es, mit den Betreuern die Teillagergottesdienste vor zu bereiten und zu feiern. Dabei ergäben sich die intensivsten Glaubensgespräche und so mancher wunderte sich, dass auch ein Feuer entzünden Gebet sein kann.
„Fällt es eigentlich jemandem auf, wenn es in dem einen Ferienlager einen Lagerpfarrer gibt und in dem anderen keinen“, möchte schließlich die Reporterin des Südkuriers wissen, “viel wichtiger ist doch, das gute Wetter und dass die Küche und das Freizeitprogramm stimmen?“ „Ich denke“, so Pater Elmar, „es ist so wie mit dem Kühlschrank in einer Familie. Dass niemand den Kühlschrank aufgefüllt hat fällt erst dann auf, wenn jemand Hunger hat. Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe und Geborgenheit. Vielen Menschen fällt dies besonders auf, wenn sie aus dem Alltagsstress für eine Weile ausgestiegen sind.“
Die Betreuer geben ihr Bestes, um es den Kindern an nichts fehlen zu lassen. Der Ferienlagerpfarrer hat darüber hinaus die Aufgabe und die Möglichkeit zu zeigen, wo die großen Quellen von Liebe und Geborgenheit zu finden sind. In dieser besonderen Zeit des Ferienlagers bieten sich dazu zahlreiche Gelegenheiten. Bei Vielen ist zu entdecken, womit und wie der „Kühlschrank kontinuierlich gefüllt werden kann“.

 

 

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