Eine Niederlassung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

„Von der Dunkelheit ins Licht“

Sternwanderung von Firmlingen zu einem Sonnenaufgangsgottesdienst auf den Birkenkopf

 

Es ist kalt. Es ist bitterkalt. Genaugenommen: es ist saukalt. Wir stehen auf dem Birkenkopf.
Die Kälte dringt durch unsere Schuhe und kriecht die Beine hinauf. Die Finger sind steif; puhlen sich aus den dicken Handschuhen, um sich an einem heißen Getränk zu wärmen.
Vor einigen Minuten ist die Sonne aufgegangen. Allmählich erreichen uns die ersten Strahlen. Wir saugen sie auf. Absorbieren sie gänzlich. Wir begrüßen das Licht.
Vor einer Stunde sind wir losgelaufen. Bei 3 Grad minus und Dunkelheit. Bewaffnet mit Taschenlampen und begünstigt vom Vollmond fanden wir unseren Weg durch die frostige Nacht. Das Gehen hat uns erwärmt und mancher dachte gar, er hätte seine Jacke umsonst mitgebracht.
Kurz vor dem Gipfel entdecken einige Jugendliche einen feuerroten Ball am Himmel. „Wir sind zu spät! Die Sonne ist bereits aufgegangen.“, raunen einige. Doch wir beruhigen sie: „Das ist Westen! Die Sonne geht im Osten auf! Sie schickt ihre Strahlen und beleuchtet den untergehenden Mond.“
Im Osten beginnt es zu dämmern. Am Gipfel angekommen bietet sich uns ein beeindruckendes Bild: Aus der Dämmerung entsteht ein rotes Flammenmeer am Horizont, während die Täler noch nebelverhangen vor sich hinschlummern. Die Vögel begrüßen den Tag mit fröhlichem Gezwitscher. Jeder Ton ist klar und laut und macht uns dadurch bewusster, dass die Stadt noch ruht.
Es ist Sonntag, sechs Uhr morgens. Vom Talkessel herauf dringt Glockengeläut an unser Ohr.
Fast als hätte man auf dieses „Stichwort“ gewartet, verdichtet sich nun das Rot am Horizont, um sich als glühender Feuerball über die Stadt zu schieben. Wunderschön!
Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Ein Sonnenaufgang wie aus dem Bilderbuch. Und, wir sind rechtzeitig da. Ein bisschen stolz sind wir schon!
Jetzt kommt auch die Firmgruppe von St. Elisabeth an und erfreut sich an diesem Naturschauspiel. Sie sind vom Westen aus gestartet, während wir von der Lindpaintner Straße aus losgelaufen sind, um hier dann gemeinsam Gottesdienst zu feiern.
Und da steht er nun vor uns: der Stuttgarter Jugendpfarrer P. Elmar. In Turnschuhen. Sein Messgewand flattert im Wind. Die von der Kälte bläulichrot verfärbten Hände hält er weit ausgebreitet: „Von der Dunkelheit ins Licht. Jesus Christus ist das Licht der Welt. Seine Liebe führt uns von der Dunkelheit ins Licht. Jesus sagt uns: Ihr, die ihr mit mir meinen Weg geht, ihr seid das Licht der Welt.“ P. Elmar trägt den Text aus der Bibel vor.
Dann hören wir den Text noch einmal auf ganz andere Weise. Die FirmbegleiterInnen haben sich über das Gelände verteilt. Eine steht beim Kreuz, einer spricht von den Felsen herab, eine andere steht zwischen den Firmlingen, einer irgendwo dahinter. Der ganze Platz ist erfüllt vom Wort Gottes. Die frohe Botschaft wird verkündet. Wir vernehmen sie aus allen Himmelsrichtungen.
In der Zwischenzeit  hat die Sonne an Kraft gewonnen. Der rote Ball hat Farbe und Kontur verloren und sich in ein gleißend blendendes Licht verwandelt. Wo seine Strahlen uns treffen, wärmen sie uns. Wir recken uns ihr entgegen. Manche verändern ihren Standort um einen besseren, wärmeren Platz zu haben.
Wir denken auch an die Menschen in Japan und an alle, die frieren müssen und nicht die Möglichkeit haben wie wir, in ein warmes Zuhause zurückzukehren. Wir sind dankbar, dass es uns so gut geht.
Zum Abschluss versammeln wir uns noch kurz unter dem riesigen Kreuz aus Metall. Es hat Rost angesetzt. Das Kreuz bedarf der Pflege. So wie unser Glaube. Auch er bedarf der Pflege, damit er nicht verkümmert.
Lasst uns ein bisschen Sorge tragen für diesen Glauben. Ein bisschen Seelsorge betreiben, damit unsere Seele gesund bleibt. Lasst uns das gemeinsam tun in dem Bewusstsein: wir sind auf dem Weg –
von der Dunkelheit ins Licht!

Ute Erhardt Firmbegleiterin

 

 

 

 

 

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