Eine Niederlassung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos

Wo ist euer Glaube?

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Zum 31. Mal legte Frau Kläre Hummel zusammen mit ihren Töchtern und befreundeten Helferinnen und Helfern den  „Hirrlinger Erntedankteppich“.
Grundlage für den diesjährigen Erntedankteppich ist die biblische Erzählung, wie Jesus „schlafend in einem Boot ruhte“ als ein Wirbelsturm dieses umherwarf und die Jünger, ergriffen von einer großen Angst, ihren Meister weckten. Liebevoll und künstlerisch ist auf einem Rundbild, der aus Samen- und Früchtekörnern gelegt ist, diese aktualisierte biblische Szene dargestellt.
Alle reden darüber, dass die Kirche in einer Krise stecke. Kurz - und schwäbisch zusammengefasst wurde dem Pfarrer von Hirrlingen von den Teppichlegerinnen erklärt: „Wir wollen ein Zeichen setzten, bevor die Kirche „ganz de Bach na geht“!
Wirklich, es gab einiges an Missbrauchs- und Skandalgeschichten, mit dem wir in den letzen Monaten als gläubige Christen konfrontiert und erschüttert wurden. Viele Christen verließen die Kirche. Das geht nicht so einfach an einem vorbei. Das hinterlässt Spuren, Verletzungen, Ängste, ja auch Unsicherheit wie es weitergehen kann.
Manch einer von uns hat vielleicht in den letzen Monaten gedacht: „Gott, kümmert es dich überhaupt nicht, dass deine Kirche zugrunde geht? Warum greifst du nicht ein? Tu doch endlich etwas, du siehst ja, wie schlecht es der Kirche geht!“
Von Jesus wird im Evangelium nur ein Satz berichtet: „Wo ist euer Glaube?“ (Lk 8,25). Mit dem Herrn fragen die Teppichlegerinnen auch heute den Betrachter des Bildes: „Wo ist euer Glaube?
Aber Krise bedeutet ja nicht nur Streit und Zwiespalt – also etwas negatives, sondern kann durchaus auch etwas positives beinhalten. Denn „Krisis“, aus der griechischen Sprache übersetzt, kann auch „Zeit der Entscheidung“ bedeuten. So regt vielleicht die gegenwärtige Kirchenkrise alle Gläubigen dazu an, nachzudenken was der Grundauftrag Jesu ist.
Das Teppichbild erweckt nicht den Eindruck, dass die im Boot dargestellten Personen, vor großer Angst befallen sind. Ganz im Gegenteil. Vertrauensvoll Blicken sie auf das, was auf sie zukommt. All die im Boot sitzen können dies tun, weil sie wissen, dass ihre Beziehung zu Jesus ihnen Kraft für ihre Arbeit, für die alltäglichen Herausforderungen, für ihr eigenes Leben gibt.
Der namenlose Bischof hält sich am Masten fest, der durchaus das Kreuz Christi darstellen kann. Der Jakobspilger im Bug des Bootes könnte einer der Pilger sein, der auf seinem „Lebens-Suchweg“ ein Nachtquartier erhält.
Im Boot stehen ein paar der Menschen, die einen Blick für die anderen hatten: Mutter Theresa, die Mutter der Sterbenden, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Oder der Heilige Vinzenz von Paul, vor wenigen Tagen war sein 350. Todestag. Er brauchte lange bis er seine wirkliche Berufung fand, der Armut der Landbevölkerung entgegenzutreten – auf ihn geht die Gründung der „Barmherzigen Schwestern“ zurück.
Oder Don Bosco, der sich in der aufblühenden Industriestadt Turin um die herumlungernden Jugendlichen kümmerte. Seine Ordensgemeinschaft, die Salesianer leisten noch heute hervorragende Arbeit in der Jugendpastoral.
In den aufgepeitschten Wellen des Wassers sind die Konturen der Peterskirche wie der Hirrlinger St. Martinuskirche zu erkennen.
„Wo ist euer Glaube?“ fragt Jesus mich – fragt er Sie!
In dieser Frage ist für den gläubigen Christen schon die Antwort enthalten, um den Teufelskreis der Angst zu durchbrechen:
Auch wenn es im Leben drunter und drüber geht, wir können Gott vertrauen, weil er zuerst zu uns JA gesagt hat. Gerade am Verhalten Jesu erkennen wir, dass Gott jeden Menschen annimmt: den Leidenden, den Geängstigten, den Suchenden.
Die Erzählung vom Seesturm will uns ermutigen, in einer Zeit der Krise nicht nur angstvoll umherzuspringen oder den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil, wenn wir uns neu auf die Menschen konzentrieren, die auch Jesus im Blick hatte, erfährt jeder von uns die Zuwendung Gottes und den Mut, überzeugend und ohne Angst in die Zukunft zu gehen.
                                                            Diese Meditation wurde zusammengestellt nach einer         
                                                            Beschreibung des Bildes und einer Predigt des
                                                            Hirrlinger Pfarrers Uwe Thauer zum Erntedankfest 2010

 

 

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